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Notos-Quartett bot orchestrale Kammermusik vom Feinsten


(Foto: Wörner)

(cr) (khm) Das vierte Kammermusik-Konzert der 70. Reihe der Eberbacher Kunstfreundekonzerte am Freitag, 10. Mai, erfüllte wohl den Doppelsinn dieser Wortbildung, indem es mit den Klavierquartetten von Mozart (g-moll, KV 478), Françaix (Divertissement 1933) und Brahms (g-moll, op. 25) einerseits kammermusikalisch intim, andererseits aber konzertant orchestral daherkam, insbesondere im Quartett des jungen Brahms.

Zwar wird von Gattungspuristen eine "orchestrale Kammermusik“ argwöhnisch beäugt, doch sind Komponisten, Interpreten, Publikum dieser "wundersamen Mischung“ durchaus zugeneigt wie auch hier das Notos-Klavierquartett (Berlin) mit Antonia Köster (Klavier), Sindri Lederer (Violine), Andrea Burger (Viola) und Philipp Graham (Cello). Das Quartett führte dabei mit "virtuoser Brillanz, technischer Perfektion und ausbalanciertem Zusammenspiel, das jedes Detail einer Komposition hörbar machte", das gleichberechtigte "Musizieren zu viert" vollendet vor.

Mozarts Werk begann in trotzig kämpferischer Stimmung, geprägt vom einhämmernden, vielfach auftretenden Hauptmotiv, das durch die Hand der Pianistin vom Fortissimo zu einem wundervollen Pianoanschlag geführt wurde. Der Mittelsatz, in großem Gegensatz zum Kopfsatz besinnlich innig gestaltet, führte dann zum beschwingt freundlicheren Finale. Alles Musizieren zeigte das mozartsche Charakteristikum der völligen Durchsichtigkeit der musikalischen und spielerischen Vorgänge, Ziel und Zweck der Kammermusik. Die im jeweiligen Klangzusammenhang wesentlichen Motive und die sie ausführenden Instrumente ließ man deutlich hervortreten samt dem Klavier mit seinem konzertanten Drang, seien es die erregten Sechzehntelbewegungen im Klavier im Kopfsatzende oder die kunstvollen, beruhigend dahin fließenden Abwärtsbewegungen der Instrumente im Mittelsatz. Das flott musizierte Rondo zeigte seine unerschöpfliche Melodienfülle in den volkstümlich. fröhlich, graziös und burschikos gestalteten Zwischenspielen, während das einprägsame Wiederholungsthema (Ritornell) schwungvoll vorwärts drängte samt der Überraschung eines humorvollen Trugschlusses am Ende.

Von der avantgardistischen Musik hielt sich Jean Françaix (1912-97) skeptisch zurück. Seine Musik "bewahrte sich einen eigenen, klassisch geschulten Tonfall". Vorbild sah er eher in Strawinski, dessen Neoklassizismus (verfremdete klassische Melodik und Rhythmik) ihm mehr zusagte als die Zwölftonmusik Schönbergs. Er verlässt die Dur-Moll-Tonalität im Grund nie. Dissonanzen sind eher gefällig gesetzt. Sie dienen dazu, zu “würzen”. Nicht ohne Grund bevorzugte Françaix, selbst virtuoser Pianist, Haydn, Mozart, Schubert. Er schätzte rasche, flüssige Tempi, schwungvoll tänzerische Rhythmen und Kantabilität. So klingt uns seine Musik trotz strenger Machart heiter, schwerelos, schwebend. Ein Beispiel dafür ist auch sein "Divertissement für Quartett mit Klavier" (1933). Im Kopfsatz des Werks konnte man gut erkennen, dass Françaix - wie die Klassiker - oft Klavier und Streicher trennend einander gegenüber stellte. Die zweite Satz (Scherzo) zeigte für seinen Mittelteil sogar eine strikte Trennung von Klavier und Streichern. Das Andante grenzte man als sonoren Klangteppich der Streicher ab von den sonst meist so munteren Sätzen. Zu Beginn des Prestissimo-Finales produzierte das Quartett derbes “perpetuum mobile” mit stürmischen Läufen, von dem sich im Mittelteil ein melodischer Abschnitt nicht ohne Effekte (Glissandi) der Streicher abhob, bis der stürmische Teil zum Ende führte.

Der Kopfsatz aus Brahms' erstem Klavierquartett mit dem scheuen Hauptthema, das vorkommt, wie wenn "Brahms brüte, wenn er nicht wüte", gab mit seinen fünf Gegenthemen ein Vorspiel von dessen so typischem dichten Klavier- und Streichersatz. Hier schon wurde das Changieren zwischen Orchester- und Kammermusik deutlich, mit dem dann dem Quartett im Satzverlauf es gelang, diese wahrhaft "wundersame Mischung" zu bilden. Das Intermezzo (2. Satz, Scherzo mit triolengeschäftig sich absetzendem Trio) gelang in seiner elegischen Schönheit (Dämpfergebrauch der Violine, Piano-Spiel, rasch dahinhuschende Cello- und Violatriolen) ganz kammermusikalisch. Die Mischung der Stile zeigte das Quartett in den anderen Sätzen. Im majestätisch hymnischen Adagio con moto suggerierte das Quartett in der Mitte, einem stellenweise martialischen Animato, mühelos den Sinfonieorchesterklang. Das hinreißende, berühmte finale Rondo alla Zingarese, das aus dem Konzertleben nicht wegzudenken ist, zeigte sich von Anfang an vorherrschend orchestral und führte virtuos mit einer rauschenden Pianokadenz in die Welt des Solokonzerts.
Dass das sich beschleunigende Rondo-Satzende, effektvoll und strettahaft ausgeführt, Beifall begeistert und lang dauernd bewirkte, war kein Wunder. Nach diesem Aufruhr der Klänge und dem nicht enden wollenden Beifall aus dem vollbesetzten Saal bedankte sich das Quartett mit der besänftigenden und so beliebten Ton-Miniatur "Liebesleid", eigentlich für Violine und Klavier, aus den “Alt-Wiener Tanzweisen” von Fritz Kreisler (1905) und dazu mit einem Eintrag für das Vereinsarchiv, besagend, sehr gern vor einem "tollen Publikum ein Konzert gegeben zu haben".

13.05.19

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